Die Stadt Bocholt entwickelt im Rahmen des Gesamtprojektes KuBAal das „Lernwerk“ als Zentrum für Begegnungen, Bildung und Kultur in den Räumen des ehemaligen Generalgebäudes der Firma Herding. Durch ein offenes Haus mit gemeinsam genutzten Flächen soll die Kommunikation vieler Akteure angeregt und gefördert werden, der industriekulturelle Hintergrund des Gebäudes soll dabei zusätzlich inspirierend wirken – die Großzügigkeit und Einzigartigkeit des historischen Gebäudes soll weiter verfügbar bleiben.

Mit einem gezielten, sich aus den Anforderungen des Raumprogramms ergebenen Einschnitt in die historische Bausubstanz werden die notwendigen großflächigen Funktionseinheiten und die Erschließung des Gebäudes hergestellt. In den Einschnitt wird ein „Studio-Kubus“ gesetzt, der mit einer textilbespannten Hülle über dem Haupteingang schwebt und in Kontrast zum massiven Ziegelbau steht. Als neues Element nimmt der Kubus dabei auch Bezug auf die ehemalige Nutzung des Gebäudes als Spinnerei: Die Fassadenbespannung zeigt, was heute mit modernen Textilien möglich ist. Als Raumtragwerk in Stahlverbundkonstruktion, somit mit stützenfreien Ebenen, beinhaltet der Kubus die notwendigen großflächigen Nutzungen, welche im engen Bestandsstützenraster nicht realisiert werden können, die als gestaltprägendes Element im Inneren weitgehend erhalten bleiben.

An- und Umbauten wurden – mit Ausnahme des zweigeschossigen Anbaus auf der Nordostecke – rückgebaut, so dass der Solitär wieder freisteht. Die historische Westfassade des Herding-Gebäudes bildet die markante Eingangs-Silhouette zur Innenstadt.

Auf den anderen Gebäudeseiten verbleibt nach Abbruch der angebauten Hallen eine

heterogene Ansicht, die die Bauwerks-Geschichte durch verbliebene Putzflächen, Öffnungen und Abdrücke auf der Fassade „erzählt“ und sichtbar macht. Diese Zeitzeugen sollen durch homogene Putzflächen aufgewertet und zusammengefasst werden und so auf der Fassade nach wie vor erlebbar sein. Alte, derzeit verschlossene Öffnungen werden soweit es die neue Nutzung zulässt bzw. erfordert wieder geöffnet und genutzt.

Die Schadstoffsanierung wurde mittlerweile vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten ausgeführt. Nun starten im Gebäudeinneren die Abbrucharbeiten, die auf Grundlage statischer Belange Zug um Zug mit der Erstellung der Neubauteile ausgeführt werden. So wird in der ersten Phase der Rohbau fertiggestellt, gefolgt von den Dachabdichtungsarbeiten und der Erneuerung der Fenster. Anschließend erfolgt im kommenden Jahr der Innenausbau.

Bei den Bauarbeiten bleibt nur die Grundsubstanz des Gebäudes erhalten. Das Gebäudeinnere wird vollständig neu ausgebaut, wobei die Belange der neuen Nutzung als Begegnungsstätte verschiedener Bildungs- und Kulturbereiche, auch in Hinblick auf die nutzungsspezifischen Anforderungen des Wärmeschutzes, Schallschutzes und Brandschutzes Berücksichtigung finden.