Bocholt hat eine Vision – ein urbanes Kulturquartier beidseits der Bocholter Aa zwischen Innenstadt und Aasee,  Industriestraße und Don-Bosco-Straße.

Wo heute alte Produktionshallen und Spinnereigebäude, Maschinenhallen und Schornsteinreste von einer längst vergangenen, blühenden Bocholter Textilproduktion zeugen, sollen künftig in einem urbanen Quartier Menschen arbeiten und wohnen, Freizeit verbringen und Kultur erleben.

Der Anfang ist gemacht. Aus der alten, jahrelang leer stehenden Spinnerei Herding ist einer der spannendsten Kulturorte der Region geworden, das LWL TextilWerk. Hier gibt es seit dem 2.9.2011 Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen und eine spektakuläre Gastronomie hoch über den Dächern Bocholts.

Ausstrahlend vom LWL TextilWerk richtet sich nun der Blick auf die angrenzenden Grundstücke beidseits der Aa. Die Regionale 2016 bietet die einmalige Chance, die in einem städtebaulichen Wettbewerb erarbeiteten Ideen und Konzepte in absehbarer Zeit mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW umzusetzen:

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Aus dem heute schmalen Gehweg an der Aa soll ein deutlich verbreiterter öffentlicher Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität werden. Hier kann man mitten in der Stadt ausspannen, Natur erleben oder sich mit Freunden in einer Szenekneipe treffen. Das Westufer des Aasee – bislang eher stiefmütterlich behandelt – rückt mit seiner neuen Sonnentreppe in den Blick. Neue Brücken über die Aa für Fußgänger und Radfahrer öffnen Wege in bislang unzugängliche Betriebsgrundstücke.

Für Gewerbezwecke nicht mehr wirtschaftlich nutzbare Gebäude werden abgerissen oder umgenutzt. Die Standorte der beiden im Projektgebiet liegenden Textilhandelsfirmen Herding und IBENA werden gesichert und optimiert. Sie stehen mit ihrem Wandel weg von ehemals produzierenden Betrieben hin zu innovativen, weltweit agierenden Handelsunternehmen beispielhaft für den Wandel der westfälischen Textilindustrie. Sie bieten mit ihren derzeit über 100 Arbeitsplätzen den Kern für weitere Ansiedlungen von Dienstleistungsunternehmen vornehmlich entlang der Industriestraße. Hier entstehen weitere Arbeitsplätze für kreative Köpfe, die der einmalige Nutzungsmix aus Kultur, Arbeiten, Wohnen und Freizeit reizt, den man sonst nur aus Großstädten kennt.

Auf den frei werdenden Flächen entstehen verschiedene Formen innerstädtischen Wohnens. Von der großzügigen Stadtvilla über Licht durchflutete Eigentumswohnungen bis hin zu kompakten Stadthäusern und Geschosswohnungen für die unterschiedlichsten Wohnansprüche – lebendig, bunt, sozial gemischt und nachhaltig. Speziell der Versorgung des gesamten Quartiers mit regenerativen Energien soll ein besonderes Hauptaugenmerk gelten.

Denkmalwürdige Gebäude vermitteln historisches Flair. Sie sollen Kulturschaffenden – öffentlichen Institutionen wie privaten Initiativen – vorbehalten bleiben. Im derzeit nur für Lagerzwecke genutzten Spinnereigebäude der Firma Herding an der Industriestraße 1 können Volkshochschule und Musikschule untergebracht werden. Die überregional bekannte „Bühne Pepperoni“ hat bereits ihr neues Domizil im TextilWerk bezogen. Weitere Kulturinitiativen sind eingeladen, sich an der Gestaltung und Entwicklung einer einzigartigen Kulturlandschaft im westlichen Münsterland zu beteiligen.

Kann man überhaupt ein Kulturquartier planen?

Das ist eine der spannenden Fragen, die nur in der Diskussion mit allen Bürgen und Akteuren aus Politik, Kultur, Institutionen und Verbänden beantwortet werden kann. Eines steht fest: Urbanität kann nicht von oben herab verordnet werden! Melden Sie sich zu Wort, steuern Sie Ihre Ideen bei und gestalten Sie Ihren Teil einer spannenden Zukunft für unser Bocholt.

Dipl.-Ing. Ulrich Paßlick
Stadtbaurat Bocholt  (1992-2016)